Führungsstil: „Öfter nutzlos sein“

Das hat Tradition: Am Silvesterabend schnappe ich mir ein Überraschungsei und orakele aus dem Inhalt meine Zukunft für das neue Jahr. Statt Bleigießen. 2018/2019 habe ich ein Krokodil. Aha, denke ich: Immer kampfbereit, schnell zuschlagen, aber die meiste Zeit nutzlos in der Sonne liegen. Ein guter Vorsatz!

Und tatsächlich habe ich mir vorgenommen, öfter mal nutzlos zu sein. Wer sich jeden Tag mit Digitalisierung und der Disruption der Welt beschäftigt, kommt ja kaum noch zur Ruhe. Das Krokodil döst so viel, weil es seine Beute verdauen muss. Bei mir sammeln sich jeden Tag neue Eindrücke und Neuerungen an, die ich auch erst verarbeiten muss. Sonst drohen permanente Unzufriedenheit und Magendrücken. Change wird zum Stressfaktor? Stop!

In der neuen Arbeitswelt hallt es wie ein Mantra durch jedes Unternehmen: „Dies müssen wir verändern, jenes müssen wir noch besser machen, da sind wir noch nicht gut genug.“ Ich frage mich, was das mit den Menschen macht. Dürfen wir gar nicht mehr so sein, wie wir sind? Können wir der permanenten Selbstentwertung noch entgehen? Wenn wir in nichts mehr gut genug sind – woher nehmen wir dann die Kraft, uns den überwältigenden Herausforderungen der digitalen Welt zu stellen?

Wer von sich behauptet „Ich bin ok, ich muss mich nicht ändern“ gilt als rückwärtsgewandt und feindlich gegenüber Veränderungen. Aber seien wir ehrlich: wie gut tut dieser Gedanke! Und wenn es nur für einen Moment ist. Hier ist jetzt Fingerspitzengefühl bei der Führung gefragt. Stiftet Eure Teammitglieder dazu an, einfach mal nutzlos zu sein, zu verdauen und sich gut zu fühlen. Sagt ihnen, was sie gut können. Dann kommt von außen zwar immer noch der Druck der Veränderung von Märkten, Unternehmen oder Technologien. Aber die Menschen können ihren eigenen Stärken vertrauen, bevor sie sich ins nächste Abenteuer stürzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*