Echtzeit: Die Stunde der Improvisation

Tischgespräch heute beim Familienbrunch: Gibt uns die Digitalisierung mehr Zeit für das Wesentliche oder klaut sie uns den letzten Rest auch noch? Und wer braucht im Echtzeitalter überhaupt noch Planung?

Fast jeder, den ich in dieser ersten Neujahrswoche getroffen habe, wünscht sich für 2018 mehr Zeit. Fast jeder hat das Gefühl, das letzte Jahr sei an Geschwindigkeit nicht zu überbieten. Tatsächlich schaffen wir dank digitaler Hilfsmittel immer mehr in immer weniger Zeit. Einkaufen, Reisen buchen, Informationen beschaffen, die Öffnungszeit vom Museum rauskriegen: alles ruckzuck auf dem Smartphone.

Wir lieben Echtzeit, auch in der Familie. Echtzeit, das ist sofort – hier und jetzt. Am liebsten Face-to-Face, und Face-to-Pixel ist mittlerweile auch ok. Und wer alles sofort kriegen kann, muss doch eigentlich gar nichts mehr planen, oder? Vielleicht haben wir alle deshalb so ein Gefühl von ultimativer Beschleunigung, weil wir noch gar nicht richtig mit der Echtzeit umgehen können. Auf der einen Seite planen wir, denken an morgen und übermorgen und noch länger voraus. Auf der anderen Seite ändert sich alles von Minute zu Minute, bricht auseinander und setzt sich neu zusammen. Wer da immer erst einen neuen Plan machen will, kommt zwangsläufig nicht hinterher. So unsere digitale Philosophie am Küchentisch.

Was meint ihr: Schlägt jetzt die Stunde der Improvisation? Wie geht Planung in der Zukunft, wenn Echtzeit  alle Lebensbereiche erreicht?

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